Katholischer Pfarrverband Ramsdorf-Wallerfing
Dekanat Osterhofen - Bistum Passau

Bischof Wilheml Schraml

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Hirtenwort zur österlichen Busszeit 2009

Was wir beten, glauben wir

Liebe Schwestern und Brüder!

Was bedeutet das Gebet für uns?

Wir stehen im Paulusjahr, das unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. ausgerufen hat. Er lädt uns ein, auf diesen großen Apostel und Missionar der Kirche zu schauen, der vor 2000 Jahren in Tarsus geboren wurde, der ganz von Christus ergriffen worden ist und seinetwegen alles aufgegeben hat (vgl. Phil 3,8.12).

In seinem Brief an die Thessalonicher steht ein Wort, das ich Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit zurufen möchte, weil es für unseren Glauben und für die Weitergabe des Glaubens von prägender Bedeutung ist. Da schreibt Paulus: "Betet ohne Unterlass!" (1 Thess 5,17). Offenbar war ihm das so wichtig, dass er später den Römern das gleiche ans Herz legt: "Seid beharrlich im Gebet!" (Röm 12,12).

Nicht nur die Briefe des Apostels Paulus - die ganze Heilige Schrift bezeugt: Glauben und beten gehören unlösbar zusammen. Ohne Gebet stirbt der Glaube. Nur was wir beten, glauben wir. Für uns wie für die Kirche als ganze ist es eine Überlebensfrage, ob uns aus dem Gebet jene Glaubenskraft erwächst, die die Kirche zum Zeichen der Hoffnung für die Menschen werden lässt. Die missionarische Kraft des Glaubens hängt davon ab, dass wir selbst betende Menschen sind. Ja, man kann sogar sagen, dass da im Tiefsten unser Menschsein auf dem Spiel steht. Der Schriftsteller Phil Bosmans sagt: "Ein Vogel ist ein Vogel, wenn er fliegt; eine Blume ist eine Blume, wenn sie blüht; ein Mensch ist ein Mensch, wenn er betet."

Im Gebet drückt sich die ganze Wahrheit des Menschen aus: nämlich dass wir uns Gott als unserem Schöpfer verdanken. Wir breiten unser Leben, seine Freuden und Sorgen aus vor unserem Vater im Himmel. Wir lassen uns von Jesus Christus beschenken mit der stärkenden Gnade seines Heiligen Geistes. So konnte der liebenswürdige selige Papst Johannes XXIII. sagen: "Der Mensch ist nie so groß, als wenn er kniet."

Beten - das ist wie die Quelle, aus der sich der Glaube täglich nährt und stärkt. Es ist wie das unsichtbare Grundwasser, ohne das nichts wachsen und Frucht bringen kann. Paulus fordert uns auf, ohne Unterlass zu beten, damit unsere Religion nicht als belanglos in eine Nische abgedrängt wird, sondern Glauben und Leben beieinander bleiben. So wird deutlich: Gott hat mit meinem Leben zu tun und mein Leben hat mit Gott zu tun. Gott und mein Leben sind untrennbar miteinander verbunden.
Wer nicht betet, der kann auf die Dauer auch nicht am Glauben an Gott festhalten. Je mehr jemand Gott kennt, je mehr er den lebendigen Kontakt mit ihm sucht, desto mehr begreift er, dass Gott die Mitte ist, um die sich alles dreht, und zugleich die Liebe, die alles versteht, alles hört, mit der wir in einem frohmachenden Austausch des Vertrauens stehen. Wir brauchen Gott nichts vormachen; aber wir sollen ihm auch nichts vorenthalten. Wichtig ist, bei ihm zu sein und bei ihm zu bleiben, nicht von ihm zu lassen, gleichsam an seiner Tür zu rütteln, bis er öffnet.

Das Gleichnis Jesu vom zudringlichen Freund, der nicht nachlässt, bis ihm schließlich der andere in tiefer Nacht die Tür öffnet, will genau dies sagen: Einen Menschen lernt man nicht kennen und lieben, wenn man bloß geschäftlich mit ihm verkehrt. Nur im vertrauten Miteinander öffnet sich ein Verstehen füreinander, öffnet sich das Herz für den anderen (vgl. Lk 9,5-13).

So ist es auch mit Gott. Nichts darf uns davon abbringen, immer wieder bei Gott anzuklopfen, immer wieder das Beten zu versuchen, auch wenn wir mit ganz einfachen Worten Gott sagen: "Da bin ich, Herr, schau auf mich, lass mich nicht allein, nimm mein armseliges Beten an!"

Jesus hat uns mit dem Vaterunser das gemeinsame Gebet gelehrt. Die Kirche lädt uns in der Liturgie zum gemeinsamen Gebet ein mit den Worten: "Lasset uns beten!" Wer an den sonntäglichen Eucharistiefeiern teilnimmt, wird bestätigen, dass das Gebet in der Gemeinschaft auch den eigenen Glauben stützt und trägt. In vielen Gebetskreisen wird diese Erfahrung neu lebendig.

Deshalb gehört das Miteinander-Beten in jede christliche Familie. Bitte, liebe Eltern, besprechen Sie es doch gemeinsam, besonders mit Ihren Kindern, wie das ganz konkret bei Ihnen aussieht. "Eine Familie, die zusammen betet, hält auch zusammen", sagt Mutter Teresa; und sie hat recht. Deshalb bitte ich Sie, das gemeinsame Beten und Singen in der Familie wieder zu einer festen Übung zu machen, die religiösen Bräuche in der Familie wieder zu verlebendigen und auch wieder zu lernen, vom Kirchenjahr und von unseren schönen christlichen Traditionen her die häuslichen Feste zu gestalten. Im "Gotteslob" finden Sie dazu wertvolle Anregungen. Ebenso hilfreich sind die vielen Angebote der Referate im Bischöflichen Ordinariat.

Beten ist gelebter Glaube. Wer betet, ist immer ein Mensch mit einem persönlichen Gesicht, auch im gemeinschaftlichen Gebet der Kirche. Wer in vorbehaltloser Redlichkeit vor Gott steht, der flieht nicht vor der nüchternen Wirklichkeit seines Lebens in eine abgeschirmte Frömmigkeit und Traumwelt. Gerade er sieht den Gott, der die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht und die Welt durch ihn gerettet wird (vgl. Joh 3,17-18).

Von dem Schweizer Heiligen Niklaus von Flüe stammt eines der schönsten Gebete. Es führt mitten hinein in das Geheimnis wahrhaft christlichen Lebens. Bruder Klaus betet - und ich bitte Sie, liebe Schwerstern und Brüder, in Gedanken mitzubeten:
"Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir, und gib mich ganz zu eigen dir."

Ich wünsche Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, eine gnadenvolle Mitfeier der österlichen Bußzeit und erbitte Ihnen, Ihren Familien, Ihren Pfarreien und geistlichen Gemeinschaften den Geist wahrhafter innerer Erneuerung durch das Erstarken des Gebetes.

Es segne Euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Passau, am Fest der Darstellung des Herrn,
dem 2. Februar 2009

Ihr Bischof
+Wilhelm
Bischof von Passau

Neuevangelisierung - mit der Kirche den Glauben leben und bezeugen

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir erfahren heute schmerzlich, dass vielen in unserem Land der Glaube an Gott immer fremder erscheint. Wir tun uns sichtlich schwer, mit anderen über unseren Glauben zu reden, geschweige denn, sie dafür zu gewinnen. Glaubensbegriffe und Glaubensinhalte klingen fremd.

Vieles, was mit Kirche zusammenhängt, ist bei Menschen belastet mit schlechter Erfahrung, mit Vorurteilen und verkehrten Vorstellungen. Wir sind traurig und nachdenklich darüber, dass immer mehr das Interesse an unserer Kirche verlieren und sich von ihr abwenden.

Unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. hat dazu im vergangenen Jahr in seiner Predigt im Berliner Olympiastadion gesagt:

"Manche bleiben mit ihrem Blick auf die Kirche an ihrer äußeren Gestalt hängen. Dann erscheint die Kirche nur mehr als eine der vielen Organisationen innerhalb einer demokratischen Gesellschaft, nach deren Maßstab und Gesetzen dann auch die so sperrige Größe "Kirche" zu beurteilen und zu behandeln ist.

Wenn dann auch noch die leidvolle Erfahrung dazu kommt, dass es in der Kirche Weizen und Unkraut gibt, und der Blick auf das Negative fixiert bleibt, dann erschließt sich das große und schöne Mysterium der Kirche nicht mehr... Es verbreiten sich Unzufriedenheit und Missvergnügen, wenn man die eigenen oberflächlichen und fehlerhaften Vorstellungen von "Kirche", die eigenen "Kirchenträume" nicht verwirklicht sieht."

Dem Papst ging es bei seinem Besuch in Deutschland um die Erneuerung und Vertiefung des Glaubens in unserem Land, um eine Mission nach innen. Es ging ihm um Neuevangelisierung. Denn "die Erneuerung der Kirche kann letztlich nur durch die Bereitschaft zur Umkehr durch einen erneuerten Glauben kommen", sagt der Nachfolger des heiligen Petrus.

Das ist angesichts eines Traditionsbruches, eines beängstigenden Tiefstandes an Glaubenswissen und seiner Zurückführung auf ein oft vages und diffuses Religionsgefühl die große Herausforderung, der wir uns miteinander stellen müssen. Äußere Reformen sind ohne Grundlage und Verwurzelung im Glauben und ohne eine neue Begeisterung für den Glauben letztlich nur aufgeregter, sinnund zielloser Aktivismus.

Die Verkündigung und Weitergabe des Glaubens aber wird die Menschen nur dann erreichen, wenn sie in den Zeugen des Glaubens ein deutliches Bemühen wahrnehmen, dem Wort des Evangeliums im eigenen Leben zu entsprechen. Angesichts vielfältiger Angebote werden Christen gefragt: "Was bringt dir der Glaube? Muss der Glaube das Leben deuten und gestalten?" Unsere Antworten werden immer geprüft an der Glaubwürdigkeit des Zeugnisses im eigenen Lebensbereich und im Zusammenleben mit den Menschen.

Der Apostel Petrus fordert uns auf: "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt!" (1 Petr 3,15). Wir werden also ermutigt, mit den Menschen über unseren Glauben zu sprechen. Was unser eigenes Leben aus dem Glauben heraus trägt und erfüllt, was wir aus dem Glauben heraus an Stärke, Zuversicht und Freude erfahren, darüber dürfen wir nicht schweigen. Dabei sollen wir auch nicht ausklammern, was uns darüber hinaus bewegt, was lähmt und belastet und in Krisenzeiten mit großen Ängsten verbunden ist.

Lasst uns das tun im ehrlichen Bemühen, aufeinander zu hören und miteinander darüber zu sprechen - das alles im Licht des Glaubens, wie ihn uns die Kirche lehrt. Ich bitte Sie, liebe Schwestern und Brüder: Öffnen Sie sich einander und zeigen Sie sich gegenseitig Ihren Glauben. Verstecken Sie ihn nicht, wenn Sie miteinander reden, wenn Sie miteinander arbeiten, wenn Sie miteinander feiern.

Ich meine nicht, dass wir überall gleichsam christliche Etiketten aufkleben sollen. Eine Pfarrgemeinde soll sich dadurch auszeichnen, dass in ihr Gott öffentlich und privat angebetet und gelobt wird; dass in ihr nach dem Willen Gottes gefragt und dieser einfach und schlicht getan wird; dass in ihr immer neu verziehen und getröstet wird; dass da Menschen einander helfen und Mut machen für ihren Weg als Zeugen Christi in dieser Gesellschaft und in dieser Welt.

Da kann jeder von uns etwas beitragen: Gottesliebe, Nächstenliebe, Versöhnung, Frieden. Viele klagen nicht, wenn das Bekenntnis zu Jesus Christus und die Treue zu seiner Kirche manchmal nicht einfach ist oder gar Nachteile, ja Hohn und Spott mit sich bringt. Manche tragen schwere Lasten, Krankheit, Einsamkeit, einen schwierigen Partner - und bleiben dennoch zuversichtlich und innerlich froh.

Nicht wenige setzen Zeit und Kraft ein, um bei der Glaubensverkündigung zu helfen, etwa im außerschulischen Bereich der Sakramentenkatechese. So zeigt jeder dem anderen, woraus er eigentlich lebt. Einer trägt den anderen im gemeinsamen Glauben.

Liebe Schwestern und Brüder,
das grundlegende pastorale Stichwort für die religiöse Situation in unserem Land heißt "Neuevangelisierung". Diese beginnt bei jedem einzelnen, der sagt, dass und warum er gerne Christ ist.

Aufgabe der Kirche aber ist es, junge wie erwachsene Christen dazu sprachfähig zu machen. Hier müssen wir unsere ganze Energie einbringen und uns überlegen, wie wir die Einführung in den Glauben, die Begleitung und Weiterbildung im Glauben in unserem Bistum heute neu orientieren können. Ich leite daraus die Pflicht ab, sich solide und verlässlich über den katholischen Glauben zu informieren.

Der Katechismus der Katholischen Kirche, die Lesung der Heiligen Schrift, die Auseinandersetzung mit den Texten des II. Vatikanischen Konzils, die Schriften unseres Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI. und seines Vorgängers, des seligen Papstes Johannes Pauls II. sind dabei eine wertvolle Hilfe. Dazu gehört auch die Teilnahme an einem Glaubensseminar, die Angebote der Erwachsenenbildung, besonders auch in unseren diözesanen Bildungshäusern.

Ich bin in diesem Zusammenhang sehr dankbar, dass am kommenden Palmsonntag erstmals in Passau der Weltjugendtag für unsere Diözese begangen wird. Einladungen hierzu sind bereits zahlreich ergangen. Unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. hat für die Katechese an diesem Tag das Wort des Apostels Paulus gewählt: "Freut euch allezeit im Herrn!" (Phil 4,4). Dieser Weltjugendtag wird von Verantwortlichen der Jugendarbeit mit großem Einsatz vorbereitet.

Ich lade Sie ein, liebe Schwestern und Brüder, die Pfarrgemeinden, die Gruppen und Gremien auf allen Ebenen unseres Bistums in den zahlreichen Verbänden und Gemeinschaften, wahre Schulen des Glaubens zu sein, Orte der Neuevangelisierung. Eine von mir eingerichtete Arbeitsgruppe wird dieses zentrale Anliegen in unserem Bistum begleiten und Hilfen anbieten.

Liebe Schwestern und Brüder,
die vor uns liegende Fastenzeit lädt uns ein, unseren Glauben an Jesus Christus zu stärken, damit wir ihn auch inniger lieben können. Suchen wir deshalb vermehrt das persönliche tägliche Gebet, die Nähe, die der Herr uns in der Feier des heiligen Messopfers vor allem am Sonntag schenkt und im würdigen Empfang des Bußsakramentes.

Aus dieser Verbundenheit mit Christus erwächst dann auch die Freude zum Glauben an ihn und die Kraft zum Zeugnis für das Evangelium in der Welt und für die liebende Zuwendung zu all den Menschen, die unserer Hilfe bedürfen.

Ich bin fest davon überzeugt: Je mehr wir uns auf Jesus Christus konzentrieren, uns von ihm ergreifen lassen und uns dabei einander helfen, desto mehr werden wir Türen erkennen, die Gott uns öffnet. Wir werden Christus zu den Menschen bringen, der allein unser Leben, unsere Hoffnung und Zukunft ist.

Dabei begleite Sie, liebe Schwestern und Brüder, auf die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria, der Mutter der Glaubenden und der Mutter der Kirche, der Segen des allmächtigen und gütigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Passau, am Fest Mariä Lichtmess
den 2. Februar 2012

Ihr Bischof
+Wilhelm
Bischof von Passau

Liebe Schwestern und Brüder!

Vom 22.-25. September besucht unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. zum dritten Mal Deutschland.

Bei seinem ersten Besuch im Jahr 2005 konnte der Heilige Vater beim Weltjugendtag in Köln mit über einer Million Jugendlicher aus der ganzen Welt ein beeindruckendes Fest der Freude am Glauben feiern. "Kommt, lasst uns ihn anbeten!", war das Motto. Die Heiligen Drei Könige aus dem Orient, deren Reliquien im Kölner Dom ruhen, haben alles verlassen, um dem Stern zu folgen, der sie zu Christus, dem Retter des Menschengeschlechtes, führte. "Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter, da fielen sie nieder und beteten es an." (Mt 2,11).

Wer Christus entdeckt hat, muss andere zu ihm führen. Eine große Freude kann man nicht für sich selbst behalten. Uns allen rief damals der Heilige Vater auf dem Marienfeld in Köln zu: "Helft den Menschen, den wirklichen Stern zu entdecken, der uns den Weg zeigt, Jesus Christus. Versuchen wir selbst, ihn immer besser kennen zu lernen, damit wir überzeugend auch andere zu ihm führen können... Gehen wir vorwärts mit Christus und leben wir unser Leben als wirkliche Anbeter Gottes!"

Eine unvergessene Erinnerung verbinden wir mit dem zweiten Besuch des Heiligen Vaters im Jahr 2006 in seiner bayerischen Heimat. Das Wort des Papstes stand wie die Sonne selbst über seiner Reise und wurde täglich neu so eindrucksvoll bestätigt - durch den Papst und durch die vielen Menschen: "Wer glaubt, ist nie allein."

In Altötting und Marktl ließ er uns seine Freude spüren, an den Stätten sein zu dürfen, die ihm von Kindheit an so sehr ans Herz gewachsen sind. Ohne Zweifel war sein Besuch in Altötting ein glanzvoller Höhepunkt in der Geschichte dieses großen Wallfahrtsortes und damit auch unserer Diözese. "Mit Maria lernen wir die helfende Güte, aber auch die Demut und die Großzügigkeit, Gottes Willen anzunehmen und ihm zu vertrauen, ihm zu glauben, dass seine Antwort, wie sie auch sein wird, das wahrhaft Gute für uns, für mich ist."

Und an anderer Stelle sagte der Heilige Vater: "Maria ist und bleibt immer die Magd des Herrn, die nicht sich selbst ins Zentrum setzt, sondern uns zu Gott hinführen will und uns einen Lebensstil lehren möchte, in dem Gott als Mitte der Wirklichkeit und als Zentrum unseres eigenen Lebens erkannt wird... Maria und Jesus gehören zusammen."

Was aber mit der Person von Papst Benedikt ein für alle Mal in Altötting verbunden bleibt, ist die Eröffnung der Anbetungskapelle. Es war bewegend, wie der Hirte der universalen Kirche nach der Eucharistiefeier auf dem Kapellplatz den eucharistischen Herrn in der Monstranz in die Anbetungskapelle getragen hat, dort niederkniete und anbetete. "In der hl. Hostie bleibt er da und wartet immerfort auf uns... Lieben wir es, beim Herrn zu sein. Da können wir alles mit ihm bereden," sagte uns der Papst in der Predigt.

Der bevorstehende dritte Deutschlandbesuch des Heiligen Vaters steht unter dem Leitwort: "Wo Gott ist, da ist Zukunft." Das ist eine zentrale Herausforderung gerade an die Kirche in unseren Tagen. Wir dürfen uns nicht um Gott betrügen lassen. Die hl. Theresia von Avila, diese große spanische Mystikerin, bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: "Wer Gott hat, der hat alles." An der Gottesfrage und am Glauben an ihn entscheidet sich die Zukunft der Kirche, der Kirche auch in unserer deutschen Heimat.

Eine wahre Erneuerung der Kirche, die wir so sehr herbeisehnen, muss dem Dialog der Liebe mit Gott entspringen. In Jesus Christus ist uns Gott ganz nahe gekommen. Er wurde einer von uns, unser Herr und Gott, unser Bruder und Freund.

Liebe Schwestern und Brüder, was die Kirche zusammenhält, ist der Glaube und das Bekenntnis des Petrus an Jesus Christus bei Caesarea Philippi: "Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes." (Mt 16,16). Dafür garantiert Petrus; dafür garantieren seine Nachfolger im Petrusamt. Dafür garantiert der Petrus unserer Tage, Papst Benedikt XVI.

Auf das Bekenntnis des Petrus hin hat ihm Jesus und seinen Nachfolgern die Verheißung zugesagt: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen." (Mt 16,18). Und nach seiner Auferstehung gibt ihm der Herr am See von Tiberias die Vollmacht: "Weide meine Lämmer!" "Weide meine Schafe." (Joh 21,15.17).

So hat Christus, der Gute Hirt, den Dienst des Papstes für die ganze Kirche grundgelegt. Der Papst ist der Bekenner des Glaubens an Jesus Christus für die ganze Kirche. Er hat in der Kirche das wahre Christusbekenntnis wach zu halten und die Menschen zu Gott zu führen, der uns in Jesus Christus sein menschliches Antlitz zeigt. Den besonderen Auftrag aber, den Jesus Petrus, dem ersten der Apostel, anvertraut hat, führt in seiner Nachfolge der Bischof von Rom weiter: "Du aber stärke deine Brüder!" (Lk 22, 32).

Liebe Schwestern und Brüder, die lebendige und treue Verbundenheit mit dem Nachfolger des hl. Petrus ist die Gewähr dafür, dass wir in der Gemeinschaft mit Christus bleiben und damit auf dem rechten Weg sind. Denn "wo Petrus ist, da ist die Kirche; und wo die Kirche ist, da ist Christus", sagen die Kirchenväter. Die Geschichte der Kirche lehrt uns eindringlich, dass die Ortskirchen gerade dann stark sind, wenn sie in fester Einheit mit dem Papst leben und wirken.

Einheit der Kirche entsteht von innen nach außen, und nicht umgekehrt. Diese lebensstiftende Einheit findet ihre letzte verbindliche Kraft und Orientierung im Amt und Dienst des Papstes, den Christus zum "immerwährenden, sichtbaren Prinzip und zum Fundament der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft der Kirche eingesetzt hat", wie die Väter des II. Vatikanischen Konzils lehren (LG 18).

Liebe Schwestern und Brüder, wir freuen uns und sind dafür sehr dankbar, dass unser Heiliger Vater Deutschland besuchen wird. "Du aber stärke deine Brüder im Glauben" sagt Jesus zu Petrus. Papst Benedikt XVI. will die deutschen Katholiken enger um Christus scharen und gleichzeitig das gemeinsame Zeugnis aller Christen hervorheben.

Bezeugen wir unsere Verbundenheit mit dem unserem Heiligen Vater auch darin, dass wir seine Initiative für die Menschen in Ostafrika unterstützen, damit er helfen kann: Fördern wir durch unsere großherzige Spende den "Benedikt-Ostafrikafonds", der zu einer nachhaltigen Hilfe und der Friedensförderung in Ostafrika führen soll.

So bitte ich Sie alle, liebe Schwestern und Brüder, um Ihr inniges Gebet für unseren Heiligen Vater, dass der Herr ihn behüte und seinen Dienst für die Kirche unseres Landes reich segne, damit wir gestärkt werden im Glauben und uns Mut zuteil wird zu einem gemeinsamen, vertieften christlichen Zeugnis in der Kirche.

Dazu erbitte ich den Segen des dreifaltigen Gottes, des +Vaters und des +Sohnes und des +Heiligen Geistes.

Passau, am Fest Mariä Namen, am 12. September 2011

+Wilhelm
Bischof von Passau

zur Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft und zur Kampagne gegen den Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI.

Liebe Schwestern und Brüder,

der Heilige Vater hat die Strafe der Exkommunikation von vier schismatischen Bischöfen, die 1988 illegal die Bischofsweihe von Erzbischof Lefebvre empfangen haben, aufgehoben. Die vier Bischöfe hatten den Papst ausdrücklich darum gebeten. Gleichzeitig haben sie den Primat des Papstes anerkannt und ihm den Gehorsam versprochen, den alle katholischen Bischöfe dem Papst gegenüber leisten, um so die Einheit der Kirche auf der ganzen Welt sicherzustellen. Allerdings bleibt die Suspension dieser vier Bischöfe bestehen. Damit sind sie an der rechtmäßigen Ausübung ihrer Weihevollmacht gehindert.

Kurze Zeit später ist ein Interview bekannt geworden, das einer von ihnen namens Williamson bereits Mitte November 2008 dem schwedischen Fernsehen im Priesterseminar der Piusbruderschaft bei Zaitzkofen gegeben hatte.

Darin findet sich eine unglaublich herzlose und zynische Rede über das entsetzlichste Menschheitsverbrechen: nämlich die Ausrottung der europäischen Juden und den systematischen Völkermord, den die Nazi-Regierung im deutschen Namen angerichtet hatte.

Die Empörung über die abscheulichen Äußerungen eines geweihten Bischofs, der aber nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche steht, war voll gerechtfertigt. Schnell wurde jedoch die Botschaft in den einschlägigen Medien demagogisch auf die Schlagzeile gebracht: Der Papst habe leichtfertig einen Holocaust-Leugner rehabilitiert. Von einer Rehabilitation kann überhaupt nicht die Rede sein, weil dies bedeuten würde, die Straftat einer unerlaubten Weihe und alle irrigen und abwegigen Verhaltensweisen nachträglich zu billigen.

Diese Falschmeldungen setzten eine beispiellose Kampagne gegen die Person von Papst Benedikt XVI. in Gang. Ich brauche all die böswilligen Unterstellungen hier nicht zu wiederholen. Ich weise sie aber auf schärfste zurück. Und ich bitte alle Gläubigen im Bistum, sich in keiner Weise verwirren zu lassen.

Gläubige aus unserem Bistum haben mir in den letzten Tagen immer wieder Fragen gestellt, auf die ich im Folgenden eine Antwort geben möchte.

1. Gibt es ein "Zurück" hinter das II. Vatikanische Konzil?

Diese Frage kann sich jeder leicht selbst beantworten. Eindeutig: Nein! Selbstverständlich bleiben wir in der Mitte der Kirche und gehen ihren Weg in Lehre, Liturgie und Leben als gute katholische Christen mit.

Die vier schismatischen Bischöfe haben den Primat des Papstes anerkannt. Damit ist auch die Pflicht eines jeden Katholiken verbunden, die oberste lehramtliche Autorität aller Konzilien zu respektieren, wie besonders auch das II. Vatikanische Konzil, das von den Päpsten Johannes XXIII. und Paul VI. einberufen und bestätigt worden ist.
Darüber wird es mit der Piusbruderschaft der "Lefebvrianer" auch keine Verhandlungen geben. Aber man kann ihnen den Sinn dieser verbindlichen Texte besonders über den Ökumenismus, das Verhältnis zu den Juden und zur Religionsfreiheit besser erläutern.

Sollten die vier schismatischen Bischöfe aber zwischen der Anerkennung des Papstes und des Konzils unterscheiden, hätten sie sich mit ihrer Bitte um die Aufhebung der Exkommunikation der arglistigen Täuschung des Papstes schuldig gemacht. Eine Kirchenstrafe müsste erneut über sie verhängt werden.
Wir im Bistum Passau lassen uns in der Treue zum Papst und zum Konzil von niemanden abbringen. Die Aufhebung der Exkommunikation von vier Personen, hat mit einer Gewährung von Heimatrecht für Konzilsgegner nichts zu tun.

2. Wie geht es weiter?

Die Wortführer der Piusbruderschaft haben durch irrige Lehren oder falsche Auslegung des II. Vatikanischen Konzils, durch ungerechte Anklagen gegen den Papst und vor allem durch den unerlaubten Empfang und die Spendung des Weihesakramentes der Kirche schweren Schaden zugefügt. Wenn sie jetzt zur vollen Gemeinschaft der katholischen Kirche zurückkehren wollen, müssen die vier illegal geweihten Bischöfe auf die Ausübung der bischöflichen Weihevollmachten verzichten. Meiner Überzeugung nach können sie allenfalls als einfache Priester eingesetzt werden.

Was Bischof Williamson angeht, ist es für mich klar, dass er aufgrund seiner unfassbaren Aussagen zum Holocaust und der bewussten Beschädigung des Ansehens des Papstes und der ganzen katholischen Kirche entweder freiwillig oder zwangsweise aus dem Klerikerstand ausscheidet.

Viele Anhänger der Piusbruderschaft teilen nicht die Aggressivität gegen den Papst und das Konzil und distanzieren sich von antisemitischen Machenschaften. Sie nehmen wohl nur wegen der alten Form der Liturgie an den Gottesdiensten der Piusbruderschaft teil. Ich rufe diejenigen im Bistum auf, die vielleicht ein wenig damit sympathisieren, wieder ausschließlich die Gottesdienste der katholischen Kirche in voller Gemeinschaft mit Papst und Bischof mitzufeiern. Es besteht ohnehin die Möglichkeit der außerordentlichen Form der Liturgie, wie der Papst sie vor einem Jahr großzügig gewährt hat.
Im wahren Sinn katholisch ist nur der, der in Treue zum Papst und zu seinem Bischof steht und mit ihnen übereinstimmt in den Fragen der Glaubens- und Sittenlehre, der Liturgie und der Ordnung des kirchlichen Lebens.

3. Was können wir tun?

Unsere Geistlichen, Religionslehrer und alle pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bitte ich mit viel seelsorgerlichem Geschick, denjenigen, die etwas liebäugeln mit den konzilskritischen Richtungen, die zentralen Aussagen des II. Vaticanums zu erklären. Vor allem gilt es deutlich zu machen: Das Konzil stellt keinen Bruch mit der großen katholischen Tradition in Lehre und Liturgie dar. Vielmehr ist es eine innerlich folgerichtige Entwicklung der kirchlichen Lehre unter der Führung des Heiligen Geistes und eine richtige Antwort auf die Fragen des Menschen von heute und für morgen.
Für uns alle ist es wichtig, dass wir Parteibildungen vermeiden. Extreme Meinungen traditionalistischer oder modernistischer Art an den Rändern der Kirche berühren sich oft. Statt Aggressivitäten gegen Papst und Bischöfe zu pflegen, wenn diese nicht den Eigenwilligkeiten von Randgruppen gefügig sind, soll für jeden katholischen Christen ein "sentire cum ecclesia" Richtlinie sein, nämlich ein Denken, Fühlen und Handeln mit der Kirche.

Ich lade Sie alle ein, für unseren Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI., die Einheit der Kirche sowie für die Heimkehr der verlorenen Söhne und Töchter, die sich mit falschen Parolen von ihr distanziert haben, zu beten!

Passau, 6. Februar 2009

+ Wilhelm Schraml
Bischof von Passau

Neuevangelisierung - mit der Kirche den Glauben leben und bezeugen

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir erfahren heute schmerzlich, dass vielen in unserem Land der Glaube an Gott immer fremder erscheint. Wir tun uns sichtlich schwer, mit anderen über unseren Glauben zu reden, geschweige denn, sie dafür zu gewinnen. Glaubensbegriffe und Glaubensinhalte klingen fremd.

Vieles, was mit Kirche zusammenhängt, ist bei Menschen belastet mit schlechter Erfahrung, mit Vorurteilen und verkehrten Vorstellungen. Wir sind traurig und nachdenklich darüber, dass immer mehr das Interesse an unserer Kirche verlieren und sich von ihr abwenden.

Unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. hat dazu im vergangenen Jahr in seiner Predigt im Berliner Olympiastadion gesagt:

"Manche bleiben mit ihrem Blick auf die Kirche an ihrer äußeren Gestalt hängen. Dann erscheint die Kirche nur mehr als eine der vielen Organisationen innerhalb einer demokratischen Gesellschaft, nach deren Maßstab und Gesetzen dann auch die so sperrige Größe "Kirche" zu beurteilen und zu behandeln ist.

Wenn dann auch noch die leidvolle Erfahrung dazu kommt, dass es in der Kirche Weizen und Unkraut gibt, und der Blick auf das Negative fixiert bleibt, dann erschließt sich das große und schöne Mysterium der Kirche nicht mehr... Es verbreiten sich Unzufriedenheit und Missvergnügen, wenn man die eigenen oberflächlichen und fehlerhaften Vorstellungen von "Kirche", die eigenen "Kirchenträume" nicht verwirklicht sieht."

Dem Papst ging es bei seinem Besuch in Deutschland um die Erneuerung und Vertiefung des Glaubens in unserem Land, um eine Mission nach innen. Es ging ihm um Neuevangelisierung. Denn "die Erneuerung der Kirche kann letztlich nur durch die Bereitschaft zur Umkehr durch einen erneuerten Glauben kommen", sagt der Nachfolger des heiligen Petrus.

Das ist angesichts eines Traditionsbruches, eines beängstigenden Tiefstandes an Glaubenswissen und seiner Zurückführung auf ein oft vages und diffuses Religionsgefühl die große Herausforderung, der wir uns miteinander stellen müssen. Äußere Reformen sind ohne Grundlage

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