Leitartikel zum Juli

Liebe Mitchristen!

ENDSPURT – so könnte man in vielen Bereichen die letzten Wochen vor der Zeugnisverleihung am Ende des Schuljahres bezeichnen. Wahrlich ein Kraftakt in Schulen, Kindergärten und den weiterführenden Bildungseinrichtungen für Kinder, Schüler, Lehrer, Erzieher, (nicht pädagogisches) Personal und Eltern.

Für diese Durststrecke braucht man Kraft und Durchhaltevermögen, schnell liegen die Nerven blank, wenn auf der einen Seite das Wetter schön ist (hoffentlich) und zu Freizeitaktivitäten einlädt und auf der anderen Seite noch vor dem Notenschluss wichtige Probearbeiten und Schulaufgaben ins Haus stehen. Abwägen ist angesagt. Im Blick auf das „Warum mache ich das?“ findet man wieder eine gute Motivation.

Das gilt allgemein. Mit dem Werbe-Slogan „Jeder hat etwas, das ihn antreibt“ warb ein Unternehmen damit, die Kunden bei der Verwirklichung ihrer Ziele tatkräftig zu unterstützen (gegen Bares natürlich).

Beweggründe sind Gründe, die in Bewegung setzen, die Kraft entfalten, die zu Höchstleistungen anspornen und die einen über sich hinauswachsen lassen. Einer der kraftvollsten Gründe, etwas zu tun oder etwas auszuhalten, ist es, die Schwierigkeit, die Herausforderung, das Durchhalten als moralisch gut erkannt zu haben, sprich, es für Gott zu tun, bevor man sich die Ruhe, die Erholung, die Entspannung und die sogenannte Auszeit redlich verdient hat.

„Und Gott ruhte am siebten Tag von allen seinen Werken, die er gemacht hatte und er segnete den siebten Tag.“

So wünsche ich allen einen guten Endspurt bis zu den großen Ferien und Gottes Segen.

Pfarrer Armin Riesinger

Die „Urlaubstheolgie“ Jesu

Mk 6: „Jesus sagte zu seinen Aposteln: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind und ruht ein wenig aus.“

Jesus rät hier zu einem Urlaub mit wenigen Menschen und an einem einsamen Ort. Weg von den großen Urlaubsorten, nicht dorthin gehen, wo alle sind und wo man meint, gewesen sein zu müssen. Und sein zweiter Ratschlag: Urlaub, um auszuruhen. Ruhe und Gemütlichkeit statt drei Länder in vier Tagen. Zeit, um Körper und Geist zu erholen.

Eine Reise machen in meine innere Weite, weg von der Enge des Alltags; eine Entdeckungsreise zu Gott, der manchen fremd, vielleicht sogar exotisch geworden ist. Gott neu oder wieder kennenlernen.

Besuch eines Gottesdienstes, ein Kapitel aus der Bibel, die Ruhe, in der ein Gebet in mir laut wird: da können sich verschüttete Wünsche und Sehnsüchte melden. Da gab es doch etwas, aus dem ich leben konnte, das mich getragen hat in schweren Stunden.

Ich darf auch das, was misslungen ist, in den Blick nehmen, weil Gott um meine Schwäche weiß und sie vergibt. Ich muss nicht perfekt sein; nicht in Beziehungen, nicht am Arbeitsplatz. Gott liebt mich so, wie ich bin. Ich muss nicht perfekt sein und es muss nicht immer alles perfekt sein – was gibt es Erholsameres als diesen Gedanken.

Pfarrbriefdienst

Leitartikel zum Juni

Grüss Gott, liebe Mitchristen im Pfarrverband!

Heute möchte ich Ihnen zwei „alte“ Festtage in Erinnerung bringen, das Herz-Jesu-Fest, heuer am 7. Juni und das Fest vom Unbefleckten Herzen Mariä (von lateinisch Mariae = Genitiv von Maria, also Herz Mariens) heuer am 8. Juni.

In der Heiligen Schrift lesen wir vom Herz Jesu-Fest zwar nichts, aber in der Volksfrömmigkeit ist die Herz-Jesu-Verehrung bereits ab dem 12. oder 13. Jahrhundert in vielen Gegenden bekannt. Papst Pius IX. führte das Fest 1856 für die ganze Kirche ein und seither wird es für die Weltkirche am dritten Freitag nach dem Pfingstfest gefeiert. Am Tag darauf, am dritten Samstag nach Pfingsten, wird das Fest des Unbefleckten Herzens Mariä gefeiert („unbefleckt“ bedeutet „ohne Erbsünde empfangen“).

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts ist die Verehrung des Herzens Mariä belegt. Es wurde an verschiedenen Tagen gefeiert und Papst Pius XII. hat im Jahre 1944 endgültig die Bezeichnung Fest des Unbefleckten Herzens Mariä auf den 3. Samstag nach Pfingsten festgelegt, also einen Tag nach dem Herz-Jesu-Fest.

In der Volksfrömmigkeit gab es viele Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Bilder, die meist im Herrgottswinkel links und rechts vom Kreuz hingen. Sicher können sich einige noch daran erinnern, oder haben diese Andachtsbilder noch in der Wohnung. Auch gibt es von der damaligen Zeit noch Gebete und Lieder, die vom Herz Jesu oder Herz Mariä sprechen – z. B. GL Nr. 369 „o Herz des Königs aller Welt…“ oder GL Nr. 371 „Herz Jesu, Gottes Opferbrand…“ oder auch GL Nr. 831 „Dem Herzen Jesu singe…“.

Nicht mehr im neuen Gotteslob enthalten sind z.B. „O unbefleckt empfang‘nes Herz, Herz Mariä – bliebst makellos in Freud und Schmerz, Herz Mariä“ oder „Kennst du das Herz Mariä…“

Warum waren und sind diese beiden Feste so vom Volk geliebt und gefeiert worden, dass sogar eigene Festtage dafür im Kirchenkalender festgesetzt wurden? Das „Laacher Messbuch“ zur Vorbereitung auf Gottesdienste schreibt dazu im Jahr 2013:

„Das Herz ist das Organ, das das Blut durch unseren Körper pumpt. Wir können den Herzschlag hören und spüren. Das Herz ist Symbol für die Liebe. Das Herz drückt das Innerste eines Menschen aus, seine Gefühle, alles was ihm wichtig und wertvoll ist…. Jesus hatte ein Herz für die Menschen, ihre Nöte und Sorgen. Er hatte Mitleid… (Witwe von Nain) / er weinte…(Lazarus). Das Herz-Jesu-Fest vermittelt immer wieder die Liebe, mit der Jesus uns zugetan ist. Wenn wir uns öffnen, strömt seine Liebe in uns und erfüllt uns.“

Das Gleiche können wir auch dem Herzen Mariens zuschreiben. Lesen wir doch bei Lukas (2,51) „und seine Mutter bewahrte all diese Worte in ihrem Herzen.“

Alles Gute und eine schöne Frühsommerzeit wünscht Ihnen

Anni Schumergruber

Ordnung ist das halbe Leben ...

... ist einer der Sinnsprüche aus dem Elternhaus. So wenig man das als Kind hören mag, so wahr ist der Satz häufig. Ordnungen, Gebote und Gesetze „regeln“ das Leben. Die Ordnungen Gottes gehören dazu. Die Pharisäer haben recht, wenn sie Jesus auf die Ordnungen Gottes hinweisen. Und Jesus hat recht, wenn er den einzelnen Menschen in Not als wichtiger ansieht als die Ordnung.

Das Ährenrupfen seiner Jünger am Sabbat wurde Jesus als verbotene „Erntearbeit“ vorgeworfen. Er verteidigt sich mit dem Hinweis auf David, der auf der Flucht von den Schaubroten aß. Dies zeigt: Die eigene Tradition lässt andere Auslegungen des Sabbatgebots als die pharisäische zu. Wenn schon David sich im Notfall über ein Gebot hinwegsetzen konnte, wie viel mehr dann Jesus! Menschliche Not setzt heiligste Normen außer Kraft.

Pfarrbriefdienst

Leitartikel zum Mai

Was wir von den frühen Christen der Katakomben lernen können

Liebe Leserinnen und Leser!

Vor einigen Jahren besuchte ich während einer Wallfahrt die Katakomben von Rom. Anfänglich hatte ich eine leichte Scheu davor, hineinzugehen, doch während des Aufenthaltes in den Höhlengängen erkannte ich diese urchristlichen Verstecke als einen der faszinierendsten und authentischsten Orte der ewigen Stadt. Mir wurde klar, dass die kirchlichen Anfänge schlicht und einfach waren. Es war spürbar, dass in den kleinen, aber sehr ernsthaften urchristlichen Gemeinden der Auftrag Christi, das Evangelium in die Welt zu tragen und danach zu leben, als oberste Priorität verstanden wurde.

Die Christen von einst, so schien es mir, waren durch die Worte Jesu im Herzen entflammt und brannten in der Tat für ihn. Im Menschsein geerdet und im Auftrag der frohen Botschaft unerschütterlich, erkannten sie die Realität des Alltags, machten sich nichts vor und erkannten so die Zeichen der Zeit klar und deutlich.

Doch woher kam diese Motivation, diese Begeisterung für den Auftrag Jesu und warum war die Urkirche so angstfrei? Meiner Meinung nach deshalb (das wurde mir ebenfalls in den Katakomben deutlich), weil die Urchristen irgendwie „voll von Leere“ waren. Das soll heißen, sie waren nicht abgelenkt von weltlichen Dingen, von Egoismen, Geltungsbedürfnissen, Machtansprüchen oder zu viel Geld. Die Leute in den Katakomben waren aufeinander angewiesen, lebten die Gemeinschaft und halfen sich gegenseitig dort, wo Unterstützung notwendig war.

Doch es gibt da wohl auch noch einen zweiten, ganz anderen Grund dafür, weshalb die Leute so motiviert für Christus waren. Nämlich durch die Begegnungen mit Jesus selbst oder zumindest mit den Augenzeugen seines Wirkens! Die Erinnerung an ihn war noch frisch. Menschen wurden durch ihn bzw. seine Jünger geheilt, gepflegt und in die neue Gemeinschaft geholt. Man konnte in jedem einzelnen Christen von damals die Handschrift des Zimmermannes aus Nazareth erkennen.

Doch werfen wir nun den Blick auf unser eigenes Christsein und das Verständnis von christlicher Gemeinschaft in der Gegenwart: Sind wir als Christen „voll von Leere“ und sind wir schon jemals Gott oder Christus wirklich begegnet? Haben wir uns schon jemals Gedanken gemacht, ob wir unseren Mitmenschen und uns selbst gerecht werden, bzw. ob wir in der Begegnung mit unseren Mitmenschen bereit sind, für das Wohl aller einzutreten?

Manche bestimmt schon, das ist gewiss, doch viele andere auch nicht. Der Mensch will alles haben, so scheint es, möchte sich selbst verwirklichen und den Vorgaben des „Mainstream“ entsprechen. Er übersieht dabei aber, dass er sich dadurch oft von den Mitmenschen entfernt und selbst isoliert. Anstelle von Begegnung und gegenseitiger Hilfe ziehen sich Menschen immer mehr zurück, möchten keine Verantwortung mehr übernehmen, schauen nur noch auf den eigenen Nutzen und leben in ihrer „Blase“, ihrer Parallel- und Scheinwelt.

Vielleicht wäre es für unsere Gesellschaft, unsere Kirche, unsere Politik und uns selbst an der Zeit, uns wieder unserer wahren Bestimmung und unseres wirklichen Auftrages im Leben bewusst zu werden. Und schauen wir nochmals auf die Urkirche: Wir wären sicher gut beraten, wie unsere früheren Glaubensgeschwister in den Katakomben unser Leben auf Glauben, Authentizität und Solidarität zu gründen.

Diakon Anton Fliegerbauer

Leitartikel zum Juni

Die Botschaft von Ostern: Leben und Barmherzigkeit

Liebe Leserinnen und Leser,

die wichtigste christliche Botschaft zu Ostern ist: Ja zum Leben. Halten wir uns daran fest in einer Zeit, die den Wert des Lebens immer geringer schätzt. Ideologien, die das Töten zum Menschenrecht erklären, werden nicht siegen.

In manchen Jahren feiern wir Ostern im März, in anderen im April. Warum eigentlich? Die Kirche hat im 4. Jahrhundert festgelegt, dass Ostern auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang fällt. Der 22. März ist damit der früheste, der 25. April der späteste Zeitpunkt. Weil Christi Himmelfahrt und Pfingsten vom Datum des Osterfestes abhängen, gehören auch sie zu den sogenannten „beweglichen Feiertagen“.

Entdecken wir nach den langen Winternächten, wie Licht, Farben und das Leben in die Natur zurückkehren. Im italienischen Piemont gibt es einen alten Brauch: Wenn am Ostermorgen die ersten Glocken läuten, laufen alle Dorfbewohner zum Brunnen, um sich dort die Augen auszuwaschen. Sie sind der Überzeugung, dass sie durch das, was an Ostern geschieht, wieder neu und klar sehen können.

Mit „Osteraugen“ können auch wir das Schöne und Wesentliche in unserem Leben sehen. Gott hat durch die Auferstehung Jesu ein unzerstörbares Lebenszeichen gesetzt. Ostern bietet uns sozusagen einen „Durchblick in die Unendlichkeit“.

Der Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit

Ein Mädchen läuft allein auf einem Weg

Das Bedürfnis der Menschheit nach der Botschaft der göttlichen Barmherzigkeit wurde im 20. Jahrhundert immer dringlicher, als die Zivilisation begann, eine „Verfinsterung des Gottesgefühls“ zu erleben und dadurch das Verständnis für die Heiligkeit und die Würde des menschlichen Lebens zu verlieren.

Im Jahr 1931 erschien Jesus Sr. Faustina Kowalska in Polen und äußerte seinen Wunsch nach einem Fest zur Feier seiner Barmherzigkeit. Dieses Fest sollte am Sonntag nach Ostern stattfinden und eine öffentliche Segnung und liturgische Verehrung seines Bildes mit der Aufschrift „Jesus, ich vertraue auf dich“ beinhalten. Papst Johannes Paul II. hat das Fest schliesslich eingeführt.

Am Barmherzigkeitssonntag blickt die römisch-katholische Kirche auf den auferstandenen Jesus Christus, der in seinem Tod und seiner Auferstehung Sünde und Tod besiegt hat. Seine Wundmale sind das bleibende Zeichen seiner Liebe, die er uns in seiner Barmherzigkeit geschenkt hat. Im gekreuzigten und auferstandenen Herrn erscheint uns die Barmherzigkeit Gottes.

Barmherzigkeit kommt, wie das Wort sagt, von Herzen. Es gibt viel Leid in unserer Welt, und wir sehen viele Wunden in den Beziehungen zwischen Menschen, Völkern und Ländern. Lassen Sie uns für die ganze Welt beten, damit durch die heiligen Wunden Jesu alle Wunden der Welt geheilt werden.

Und so wünsche ich Ihnen frohe Ostern voller Liebe, Hoffnung und Freude. Mögen die Segnungen dieser Jahreszeit immer bei Ihnen sein. Ostern ist eine Zeit, um Neuanfänge und das Versprechen einer besseren Zukunft zu feiern. Möge das Osterfest Ihnen Hoffnung und Erneuerung bringen.

Pater Nobi Parakkadan