Katholischer Pfarrverband Ramsdorf-Wallerfing
Dekanat Osterhofen - Bistum Passau

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Heiliger Bruder Konrad von Parzham
Aufnahme:
St. Peter und Paul Neusling

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Heiliger Bruder Konrad von Parzham

Gedenktag:

21. April - Nicht gebotener Gedenktag
Bistum Passau: Fest

Patron

Des Bistums Passau, der katholischen Burschenvereine, der Seraphischen Liebeswerks und in allen Nöten

Lebensdaten

* 22.12.1818 in Parzham, Dözese Passau
+ 21.04.1894 in Altötting

Namensbedeutung

"Konrad" kommt aus dem Althochdeutschen und heisst "kühner Ratgeber"

Darstellung

Im Kapuzinerhabit mit Kreuz in der Hand

Grusswort von Papst Benedikt XVI.

an die Leser des Passauer Bistumsblattes
zur 75-Jahr-Feier der Heiligsprechung

aus dem Passauer Bistumsblatt

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Freude und Begeisterung, die im Sommer 1934 das Land zwischen Inn und Salzach erfüllte, ist mir noch in lebendiger Erinnerung. Papst Pius XI. hatte zu Pfingsten den Kapuzinerbruder Konrad von Parzham heiliggesprochen. Nun wurde seine Wirkungsstätte, unser Wallfahrtsort Altötting, Schauplatz prächtiger liturgischer Feiern, um Gott Lob und Dank für den zur Ehre der Altäre Erhobenen darzubringen. Sein schlichtes und doch so eindrucksvolles Wesen in Verbindung mit tiefem Glauben, treuer Pflichterfüllung und konkreter Nächstenliebe gab diesem heiligen Ordensmann eine eigentümliche Faszination. Er wollte ein stilles, Gott geweihtes Leben führen, im Abstand vom Lärm dieser Welt. Aber man teilte ihm den Platz an der Klosterpforte zu, wo das beschauliche Leben des Klosters sich mit der stets ruhelosen und umtriebigen Aussenwelt berührt. Fast ununterbrochen läuteten die Besucher an der Pforte an. Weder Zudringlichkeit, noch Ungeduld oder zuweilen auch Bosheit vermochten seine Dienstbereitschaft, seine innere Sammlung und seine lächelnde Ruhe zu stören. Von seiner Zelle aus konnte er immer auf den Tabernakel schauen. Von diesem Blick her hat er die unbesiegbare Güte gelernt, mit der er den Menschen Tag für Tag begegnete. Wenn das Herz auf Gott hin geöffnet ist, vermag sich der Mensch in jede Situation einzufinden und den anderen Aufmerksamkeit und Verständnis zuzuwenden, um ihnen die Türe zu öffnen zum göttlichen Hirten, der den Seinen Frieden und ewiges Leben verheisst.

Der Pförtner Konrad hat die Herzen vieler für die Begegnung mit dem lebendigen Gott aufgeschlossen. Seine Heiligsprechung fiel dann in eine Zeit, in der viele Menschen sich Christus, dem wahren Erlöser, verschlossen hatten und ein Menschenbild verherrlichten, das sich in Gewalt und ungebremstem Machtanspruch zu verwirklichen meinte. Dieser Ideologie, dem leeren Pathos des Übermenschen, tritt der heilige Bruder Konrad gegenüber, der sich von sich selbst zu lösen vermag, sich vor allen anderen Dingen zuerst Gott anvertraut und aus dieser Beziehung heraus der wahren Gemeinschaft der Menschen dient. Bitten wir diesen bescheidenen und doch so bedeutenden Heiligen um seine Fürsprache, dass auch wir immer offener auf Christus hin werden und Zeugen der göttlichen Gnade in den Begegnungen und Erfahrungen dieser Welt. Euch, den Lesern des Passauer Bistumsblattes, und allen, denen Ihr Euch verbunden wisst, erteile ich von Herzen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 6. April 2009

Leben

Johannes Evangelist Birndorfer, so der bürgerliche Name des Heiligen, wurde am 22. Dezember 1818 als elftes von zwölf Kindern auf dem Venushof in Parzham bei Weng im Rottal (Diözese Passau) geboren. Die 31 Jahre bis zu seinem Eintritt ins Kloster lebte der Birndorfer Hans auf dem grossen elterlichen Hof, den er einmal übernehmen sollte und arbeitete in der Landwirtschaft. Aus dieser Zeit ist nicht viel über ihn bekannt. Die Mutter starb, als er 14 Jahre alt war, der Vater zwei Jahre später. Hans zeigte bereits als Kind eine ausgesprochene Frömmigkeit. Zu Hause hatte er einen Hausaltar errichtet, er schien ständig zu beten - es hiess, dass er deshalb niemals einen Hut trage -, er führte immer einen Rosenkranz mit sich und besuchte häufig die Messe, oft mehrmals an Sonn- und Feiertagen.

Dieses aussergewöhnliche Verhalten des jungen Mannes erregte damals schon die Aufmerksamkeit der Dorfbewohner. Ansonsten lebte Hans sehr zurückgezogen und suchte die Gemeinschaft mit anderen nur bei Wallfahrten. Ausserdem liess er sich in eine Reihe von Bruderschaften aufnehmen. Etwa seit seinem 22. Lebensjahr begleitete ihn der Beichtvater Benefiziat Franz Xaver Dullinger aus Aigen am Inn, der ihm die Aufnahme in den Kapuzinerorden vermittelte.

1849 schliesslich trat der grosse Marienverehrer Johannes Birndorfer als Kandidat in den Kapuzinerorden in Altötting ein. Bei seiner Einkleidung als Terziar erhielt er den Ordensnamen Konrad. Seine Profess als Laienbruder legte er am 4. Oktober 1852 ab und wurde schliesslich Pförtner im Kloster St. Anna in Altötting. Diesen Dienst sollte er nun 41 Jahre verrichten, wobei seine Aufgaben in all den Jahren im Wesentlichen gleich blieben. In den bekannten Marien-Wallfahrtsort Altötting kamen Jahr für Jahr unzählige Pilger mit den verschiedensten Anliegen, vielmals war Bruder Konrad der erste Ansprechpartner an der Klosterpforte. Zu seinen Aufgaben gehörte es, die Patres zu verständigen, wenn Menschen deren Dienst benötigten, die Bücher über Messintentionen und Spenden zu führen sowie Gelder zu verwalten. Zudem kamen viele Handwerksburschen, Bettler und Kinder, die sich Essen oder Geld erbaten. Stets war er in aufopfernder Liebe für die Armen da. Bruder Konrad übernahm auch Mesnerdienste. Ihm wird trotz seiner starken Beanspruchung Geduld und Freundlichkeit im Umgang mit den verschiedensten Menschen nachgesagt. Seine Auskünfte waren nicht länger als nötig, er galt als ruhiger Mitbruder. Besonders Frauen gegenüber gab Bruder Konrad sich wortkarg, er wollte Distanz wahren. Ruhe fand er in seiner tiefen Frömmigkeit, seinem Gebets- und Busseifer und seinem asketischen Leben, das Demut und Pflichtbewusstsein prägten. Zudem hatte er das Privileg bekommen, täglich die Kommunion zu empfangen. Nachgesagt wird ihm die Herzenskunde, nach der er viele charakterliche Entwicklungen seiner Mitmenschen erkannte.

Im Volk sprach es sich bald herum, dass der Pförtner des Klosters ein heiligmässiger Mann sei, so dass immer mehr ratsuchende Menschen zu ihm kamen. Er selbst ruhte ganz in dem Bewusstsein der Gegenwart Gottes, war ihm in allen Tätigkeiten verbunden und schien die schon zu seinen Lebzeiten einsetzende Verehrung nicht zu bemerken. Seinen Dienst übte er bis drei Tage vor seinem Tod aus. Am 21. April 1894 verstarb er im Kreis seiner Mitbrüder im Alter von 76 Jahren. Unzählige Menschen pflegten das Gedächtnis an ihn. Im Jahr 1912 wurden die Gebeine von Bruder Konrad in eine Gruft vor dem Presbyterium in der alten St. Anna-Kirche überführt, die seit 1953 Bruder Konrad-Kirche heisst.

1914 begann der Seligsprechungsprozess. In den nächsten Jahren wurden mehrere Wunder (Heilungen) anerkannt. Papst Pius XI sprach Bruder Konrad am 15. Juni 1930 selig und am 20. Mai 1934 heilig, woran die bayerische Bevölkerung, die in Pilgerzügen angereist war, regen Anteil nahm. In Altötting beging man eine festliche Nachfeier im Sommer 1934. Der Münchener Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber nahm an allen Feierlichkeiten teil. In seiner Autobiographie bezeichnete Faulhaber die Heiligsprechung gerade 1934 als "ein Stück Ehrenrettung des deutschen Namens, jedenfalls eine Ehrenrettung des Heroismus der kleinen alltäglichen Berufsarbeit". Nicht nur im Bistum Passau, auch im Erzbistum München und Freising, in dem sich zudem die beiden ersten Wunder ereignet hatten, wurde Bruder Konrad schon früh verehrt. Die Predigt, die der ehemalige Apostolische Nuntius in Bayern, Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., in Rom über Bruder Konrad gehalten hatte, erschien 1937 in Deutschland.

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