Katholischer Pfarrverband Ramsdorf-Wallerfing
Dekanat Osterhofen - Bistum Passau

Bischof Wilheml Schraml

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Hirtenwort zur österlichen Busszeit 2012

Neuevangelisierung - mit der Kirche den Glauben leben und bezeugen

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir erfahren heute schmerzlich, dass vielen in unserem Land der Glaube an Gott immer fremder erscheint. Wir tun uns sichtlich schwer, mit anderen über unseren Glauben zu reden, geschweige denn, sie dafür zu gewinnen. Glaubensbegriffe und Glaubensinhalte klingen fremd.

Vieles, was mit Kirche zusammenhängt, ist bei Menschen belastet mit schlechter Erfahrung, mit Vorurteilen und verkehrten Vorstellungen. Wir sind traurig und nachdenklich darüber, dass immer mehr das Interesse an unserer Kirche verlieren und sich von ihr abwenden.

Unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. hat dazu im vergangenen Jahr in seiner Predigt im Berliner Olympiastadion gesagt:

"Manche bleiben mit ihrem Blick auf die Kirche an ihrer äußeren Gestalt hängen. Dann erscheint die Kirche nur mehr als eine der vielen Organisationen innerhalb einer demokratischen Gesellschaft, nach deren Maßstab und Gesetzen dann auch die so sperrige Größe "Kirche" zu beurteilen und zu behandeln ist.

Wenn dann auch noch die leidvolle Erfahrung dazu kommt, dass es in der Kirche Weizen und Unkraut gibt, und der Blick auf das Negative fixiert bleibt, dann erschließt sich das große und schöne Mysterium der Kirche nicht mehr... Es verbreiten sich Unzufriedenheit und Missvergnügen, wenn man die eigenen oberflächlichen und fehlerhaften Vorstellungen von "Kirche", die eigenen "Kirchenträume" nicht verwirklicht sieht."

Dem Papst ging es bei seinem Besuch in Deutschland um die Erneuerung und Vertiefung des Glaubens in unserem Land, um eine Mission nach innen. Es ging ihm um Neuevangelisierung. Denn "die Erneuerung der Kirche kann letztlich nur durch die Bereitschaft zur Umkehr durch einen erneuerten Glauben kommen", sagt der Nachfolger des heiligen Petrus.

Das ist angesichts eines Traditionsbruches, eines beängstigenden Tiefstandes an Glaubenswissen und seiner Zurückführung auf ein oft vages und diffuses Religionsgefühl die große Herausforderung, der wir uns miteinander stellen müssen. Äußere Reformen sind ohne Grundlage und Verwurzelung im Glauben und ohne eine neue Begeisterung für den Glauben letztlich nur aufgeregter, sinnund zielloser Aktivismus.

Die Verkündigung und Weitergabe des Glaubens aber wird die Menschen nur dann erreichen, wenn sie in den Zeugen des Glaubens ein deutliches Bemühen wahrnehmen, dem Wort des Evangeliums im eigenen Leben zu entsprechen. Angesichts vielfältiger Angebote werden Christen gefragt: "Was bringt dir der Glaube? Muss der Glaube das Leben deuten und gestalten?" Unsere Antworten werden immer geprüft an der Glaubwürdigkeit des Zeugnisses im eigenen Lebensbereich und im Zusammenleben mit den Menschen.

Der Apostel Petrus fordert uns auf: "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt!" (1 Petr 3,15). Wir werden also ermutigt, mit den Menschen über unseren Glauben zu sprechen. Was unser eigenes Leben aus dem Glauben heraus trägt und erfüllt, was wir aus dem Glauben heraus an Stärke, Zuversicht und Freude erfahren, darüber dürfen wir nicht schweigen. Dabei sollen wir auch nicht ausklammern, was uns darüber hinaus bewegt, was lähmt und belastet und in Krisenzeiten mit großen Ängsten verbunden ist.

Lasst uns das tun im ehrlichen Bemühen, aufeinander zu hören und miteinander darüber zu sprechen - das alles im Licht des Glaubens, wie ihn uns die Kirche lehrt. Ich bitte Sie, liebe Schwestern und Brüder: Öffnen Sie sich einander und zeigen Sie sich gegenseitig Ihren Glauben. Verstecken Sie ihn nicht, wenn Sie miteinander reden, wenn Sie miteinander arbeiten, wenn Sie miteinander feiern.

Ich meine nicht, dass wir überall gleichsam christliche Etiketten aufkleben sollen. Eine Pfarrgemeinde soll sich dadurch auszeichnen, dass in ihr Gott öffentlich und privat angebetet und gelobt wird; dass in ihr nach dem Willen Gottes gefragt und dieser einfach und schlicht getan wird; dass in ihr immer neu verziehen und getröstet wird; dass da Menschen einander helfen und Mut machen für ihren Weg als Zeugen Christi in dieser Gesellschaft und in dieser Welt.

Da kann jeder von uns etwas beitragen: Gottesliebe, Nächstenliebe, Versöhnung, Frieden. Viele klagen nicht, wenn das Bekenntnis zu Jesus Christus und die Treue zu seiner Kirche manchmal nicht einfach ist oder gar Nachteile, ja Hohn und Spott mit sich bringt. Manche tragen schwere Lasten, Krankheit, Einsamkeit, einen schwierigen Partner - und bleiben dennoch zuversichtlich und innerlich froh.

Nicht wenige setzen Zeit und Kraft ein, um bei der Glaubensverkündigung zu helfen, etwa im außerschulischen Bereich der Sakramentenkatechese. So zeigt jeder dem anderen, woraus er eigentlich lebt. Einer trägt den anderen im gemeinsamen Glauben.

Liebe Schwestern und Brüder,
das grundlegende pastorale Stichwort für die religiöse Situation in unserem Land heißt "Neuevangelisierung". Diese beginnt bei jedem einzelnen, der sagt, dass und warum er gerne Christ ist.

Aufgabe der Kirche aber ist es, junge wie erwachsene Christen dazu sprachfähig zu machen. Hier müssen wir unsere ganze Energie einbringen und uns überlegen, wie wir die Einführung in den Glauben, die Begleitung und Weiterbildung im Glauben in unserem Bistum heute neu orientieren können. Ich leite daraus die Pflicht ab, sich solide und verlässlich über den katholischen Glauben zu informieren.

Der Katechismus der Katholischen Kirche, die Lesung der Heiligen Schrift, die Auseinandersetzung mit den Texten des II. Vatikanischen Konzils, die Schriften unseres Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI. und seines Vorgängers, des seligen Papstes Johannes Pauls II. sind dabei eine wertvolle Hilfe. Dazu gehört auch die Teilnahme an einem Glaubensseminar, die Angebote der Erwachsenenbildung, besonders auch in unseren diözesanen Bildungshäusern.

Ich bin in diesem Zusammenhang sehr dankbar, dass am kommenden Palmsonntag erstmals in Passau der Weltjugendtag für unsere Diözese begangen wird. Einladungen hierzu sind bereits zahlreich ergangen. Unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. hat für die Katechese an diesem Tag das Wort des Apostels Paulus gewählt: "Freut euch allezeit im Herrn!" (Phil 4,4). Dieser Weltjugendtag wird von Verantwortlichen der Jugendarbeit mit großem Einsatz vorbereitet.

Ich lade Sie ein, liebe Schwestern und Brüder, die Pfarrgemeinden, die Gruppen und Gremien auf allen Ebenen unseres Bistums in den zahlreichen Verbänden und Gemeinschaften, wahre Schulen des Glaubens zu sein, Orte der Neuevangelisierung. Eine von mir eingerichtete Arbeitsgruppe wird dieses zentrale Anliegen in unserem Bistum begleiten und Hilfen anbieten.

Liebe Schwestern und Brüder,
die vor uns liegende Fastenzeit lädt uns ein, unseren Glauben an Jesus Christus zu stärken, damit wir ihn auch inniger lieben können. Suchen wir deshalb vermehrt das persönliche tägliche Gebet, die Nähe, die der Herr uns in der Feier des heiligen Messopfers vor allem am Sonntag schenkt und im würdigen Empfang des Bußsakramentes.

Aus dieser Verbundenheit mit Christus erwächst dann auch die Freude zum Glauben an ihn und die Kraft zum Zeugnis für das Evangelium in der Welt und für die liebende Zuwendung zu all den Menschen, die unserer Hilfe bedürfen.

Ich bin fest davon überzeugt: Je mehr wir uns auf Jesus Christus konzentrieren, uns von ihm ergreifen lassen und uns dabei einander helfen, desto mehr werden wir Türen erkennen, die Gott uns öffnet. Wir werden Christus zu den Menschen bringen, der allein unser Leben, unsere Hoffnung und Zukunft ist.

Dabei begleite Sie, liebe Schwestern und Brüder, auf die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria, der Mutter der Glaubenden und der Mutter der Kirche, der Segen des allmächtigen und gütigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Passau, am Fest Mariä Lichtmess
den 2. Februar 2012

Ihr Bischof
+Wilhelm
Bischof von Passau

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